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Laktoseintoleranz

Allein in Deutschland leiden rund 14 Millionen Menschen an einer Laktoseintoleranz. Sie vertragen den Milchzucker, also die Laktose, nicht mehr. Bemerkbar macht sich diese Nahrungsmittel-Unverträglichkeit nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten: Unangenehme und lästige Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Durchfall quälen die Betroffenen. Lesen Sie hier, was Laktoseintoleranz überhaupt ist, welche Ursachen es gibt und wie sie sich äußert.

Was ist Laktoseintoleranz?

Laktoseintoleranz zählt zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Betroffene Personen entwickeln eine Unverträglichkeit (Intoleranz) gegenüber dem natürlichen Milchbestandteil Milchzucker (Laktose). Wichtig zu wissen: Sie ist keine Allergie! Mehr dazu erfahren Sie hier…

Da der Milchzucker natürlicherweise in Milch und allen daraus hergestellten Produkten wie Sahne, Joghurt oder Quark vorkommt, treten die typischen Verdauungsprobleme in der Regel nach dem Verzehr von Milchprodukten auf. Die Lebensmittelindustrie verwendet Laktose aufgrund ihrer technologischen Eigenschaften aber auch in vielen anderen Lebensmitteln. Beschwerden wie Völlegefühl und Durchfall können beispielsweise ebenso nach dem Verzehr von Brot oder Wurstwaren auftreten. Das Auftreten der Symptome ist somit nicht nur auf Milch und Milchprodukte beschränkt. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Einkaufen achten sollten…

Um zu verstehen, was bei einer Laktoseintoleranz im menschlichen Körper genau passiert, ist es hilfreich zu wissen, was Laktose überhaupt ist und wie sie normalerweise in unserem Körper verdaut wird.

Was ist Laktose?

Die Laktose (Milchzucker) ist ein sogenannter Zweifachzucker. Das heißt, zwei Einfachzucker bilden zusammen die Laktose. Bei den Einfachzuckern handelt es sich um Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker). Also ganz einfach:
Glukose + Galaktose = Laktose

Schon gewusst? Laktase, Laktose – klingt alles ganz ähnlich. Da kann man schon einmal durcheinander kommen. Es gibt aber eine ganz einfache Regel: Alles mit der Endung -ose sind Zucker und alles mit der Endung -ase sind Enzyme. Somit kann man sich ganz einfach merken: Laktase = Enzym und Laktose = Zucker

Welche Laktoseintoleranz-Symptome treten auf?

Fehlt das Verdauungsenzym Laktase, so gelangt der Milchzucker ungespalten in den Dickdarm. In unserem Dickdarm befinden sich ganz natürlicherweise Bakterien. Diese „freuen“ sich regelrecht über die ankommende Laktose, denn sie dient ihnen als Nährsubstrat.

Warum treten die Beschwerden auf?

Die Darmbakterien vergären die ankommende Laktose, wobei Gase (z.B. Kohlendioxid, Wasserstoff, Methan) entstehen, aber auch kurzkettige Fettsäuren (z.B. Essigsäure, Buttersäure). Die gebildeten Gase, vorwiegend das Kohlendioxid, führen zu Blähungen.

Der Milchzucker selbst sowie die entstandenen kurzkettigen Fettsäuren erhöhen den sogenannten „osmotischen Druck“, d.h. sie ziehen Wasser in den Dickdarm. Durch diesen Wassereinstrom verflüssigt sich der Darminhalt, was zu Durchfällen (sogenannte osmotische Durchfälle) führt. Die kurzkettigen Fettsäuren führen zudem zu einer vermehrten Darmbewegung.

Die „klassischen“ Laktoseintoleranz-Symptome sind z.B.
  • Durchfall
  • Blähungen
  • Bauchschmerzen/-koliken
  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Darmgeräusche
  • Blähbauch

Die Verdauungsprobleme treten in der Regel eine halbe bis mehrere Stunden nach dem Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln auf.

Neben diesen klassischen gastrointestinalen (Magendarm-) Beschwerden können bei einer Milchzuckerunverträglichkeit auch Symptome auftreten, die nicht den Magendarmtrakt betreffen. Betroffene berichten beispielsweise auch von Kopfschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit.

Beschwerden, die nicht den Magendarmtrakt betreffen, sind z.B.
  • Schwindelgefühl, Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Schlappheit
  • Niedergeschlagenheit

Insgesamt äußert sich die Milchzuckerunverträglichkeit in einem sehr unspezifischen Beschwerdebild. Die Beschwerden können auch bei anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Erkrankungen auftreten. Oftmals werden die Probleme daher nicht direkt mit einer Laktoseintoleranz in Verbindung gebracht. 

Wovon hängt die Intensität der Laktoseintoleranz-Symptome ab?

Das Ausmaß der Beschwerden hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem die individuelle Ausprägung des „Laktasemangels“ sowie die aufgenommene Laktosemenge. Die meisten Betroffenen vertragen bis zu 10 g Milchzucker pro Tag. Es gibt aber auch Personen, die bei einer deutlich geringeren Laktosemenge Symptome bekommen.

Wie stark beispielsweise Blähungen auftreten, hängt von der Menge an gebildetem Kohlendioxid ab. Nach laktosehaltigen Mahlzeiten können einige Liter an Gasen entstehen. Daneben können Aufregung, Stress und Angst das Ausmaß der Beschwerden wie z.B. Durchfall zusätzlich verstärken.

Primäre Laktoseintoleranz

Der primäre Laktasemangel ist angeboren und führt zu einer fortschreitenden und unaufhaltsamen Verringerung der Laktaseproduktion im Dünndarm. Weltweit gesehen ist der primäre Laktasemangel der am häufigsten vorkommende Enzymmangel.

In unseren Genen ist also festgelegt, ob wir die Veranlagung in uns tragen, irgendwann im Leben eine Laktoseintoleranz zu entwickeln. Die Laktaseproduktion hört aber nicht von heute auf morgen auf, sondern geht langsam zurück. In der Regel bleibt eine gewisse Restlaktaseproduktion bestehen. Der Enzymmangel kann sich bereits im Kindesalter bemerkbar machen, häufig zeigen sich die Beschwerden wie z.B. Durchfall aber erst mit zunehmendem Alter.

Interessant zu wissen:

Eine weitere Form der primären Laktoseintoleranz ist der sogenannte kongenitale Laktasemangel, eine sehr seltene, primär in Finnland auftretenden Form des Laktasemangels. Bei dieser Form weisen Säuglinge von Geburt an keine Laktaseproduktion auf und leiden ab dem ersten Stillen unter massiven, wässrigen Durchfällen.

Eine primäre Laktoseintoleranz kann mit einer angepassten laktosefreien oder laktosearmen Ernährung oder einer oralen Enzymeinnahme behandelt werden.

Sekundäre Laktoseintoleranz

Der sekundäre Laktasemangel tritt immer dann auf, wenn die Dünndarmschleimhaut durch eine Erkrankung oder andere Ursachen geschädigt wird. Da in der Dünndarmschleimhaut die Laktase gebildet wird, führt jede Schädigung dieser Zellen zu einer verminderten Laktaseproduktion. Je nach Ausmaß der Schädigung entwickelt sich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Laktoseintoleranz.

Folgende Erkrankungen oder Ursachen können zu einer Laktoseintoleranz führen:

  • Zöliakie
  • chronische entzündliche Darmerkrankungen wie z.B. Morbus Crohn mit Dünndarmbeteiligung
  • durch Medikamente ausgelöste Darmentzündung (z.B. Zytostatika, Antibiotika, nicht-steroidale Antirheumatika)
  • durch Strahlen ausgelöste Darmentzündung (Tumortherapie)
  • Kurzdarmsyndrom
  • … und andere

Die sekundäre Laktoseintoleranz kann sich verlieren

Unsere Dünndarmschleimhaut hat die tolle Eigenschaft sich zu regenerieren, d.h. sich wieder aufzubauen. Dies geschieht in der Regel bei erfolgreicher Therapie der Grunderkrankung bzw. bei Abwesenheit des Auslösers. Das heißt, ist die sekundäre Laktoseintoleranz Folge einer therapierbaren Erkrankung, so kann sie sich auch wieder zurückbilden. In manchen Fällen gelingt dies allerdings nicht hundertprozentig, sodass die Laktoseintoleranz unterschiedlich stark ausgeprägt bestehen bleiben kann.

    Warum ist Laktoseintoleranz keine Allergie?

    Laktoseintoleranz ist keine Allergie. Die Laktoseintoleranz darf nicht mit einer Milcheiweißallergie verwechselt werden. Die Milcheiweißallergie zählt zu den echten Nahrungsmittelallergien. Das menschliche Immunsystem reagiert bei dieser Allergie auf das Milcheiweiß. Bei manchen Allergikern lösen teilweise auch schon kleine Mengen des Milcheiweißes schwerste allergische Reaktionen aus, die unter Umständen auch lebensbedrohlich werden können.

    Die Laktoseintoleranz zählt zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Ursache liegt hier in einer unzureichenden Produktion des Verdauungsenzyms Laktase. Unangenehme Verdauungsprobleme sind die Folge. Im Gegensatz zu der Milcheiweißallergie können bei der Laktoseintoleranz keine lebensbedrohlichen Reaktionen auftreten.

    Wie häufig kommt die Laktoseintoleranz vor?

    Die Milchzuckerunverträglichkeit gibt es auf der ganzen Welt. Insgesamt ca. drei Viertel der Bevölkerung sind von ihr betroffen. Allerdings tritt sie in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich häufig auf. Geographisch lässt sich ein Süd-Nord-Gefälle erkennen. In Skandinavien sind ca. 0,5-5% betroffen, in Deutschland sind es ca. 15 bis 20%. Im Mittelmeerraum steigt der Anteil teilweise auf ca. 70% an. Nahezu 100% der Schwarzafrikaner und 80-100% der Asiaten vertragen nach dem Säuglingsalter keine Milch mehr. 

    Sie sind nicht alleine

    Circa 75% der Weltbevölkerung leiden unter einer Laktoseintoleranz. Sie zählt zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ist keine Allergie. Betroffene Personen quälen sich nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten mit Verdauungsproblemen. Die Ursache für die Laktoseintoleranz ist immer die gleiche: Das Enzym Laktase wird nicht mehr ausreichend produziert. Warum das so ist, kann verschiedene Gründe haben. Tritt sie in Folge einer genetischen Veranlagung auf, so bleibt die Laktoseintoleranz bestehen. Ist sie aber Folge einer anderen Ursache, z.B. einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, so kann sie sich auch wieder geben. Wie Sie eine Laktoseintoleranz testen können, erfahren Sie hier.

    Häufige Fragen zur Laktoseintoleranz

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    Was ist Laktoseintoleranz?

    Die Laktoseintoleranz zählt zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Personen vertragen die Laktose, also den Milchzucker nicht mehr. Grund hierfür ist eine zu geringe Produktion des notwendigen Verdauungsenzyms Laktase.

    Was ist Laktose?

    Laktose ist eine andere Bezeichnung für Milchzucker. Sie kommt natürlicherweise in der Milch und allen daraus hergestellten Lebensmitteln vor. Die Laktose ist ein sogenannter Zweifachzucker, d.h. sie wird aus zwei Einfachzuckern aufgebaut. Bei diesen Einfachzuckern handelt es sich um Glukose und Galaktose. Laktose = Glukose + Galaktose

    Was ist Laktase?

    Laktase ist ein sogenanntes Verdauungsenzym. Sie wird im Dünndarm produziert und ist für die Verdauung von Laktose zwingend notwendig. Die Laktase spaltet die Laktose im Dünndarm in ihre beiden Bestandteile Glukose und Galaktose auf. 

    Wie häufig kommt die Laktoseintoleranz weltweit vor?

    Laktoseintoleranz kommt auf der ganzen Welt vor. Ca. 75% der Weltbevölkerung sind von ihr betroffen. In Deutschland vertragen ca. 15 bis 20% der Bevölkerung keine Milch mehr. 

    Welche Ursachen hat die Laktoseintoleranz?

    Die Laktoseintoleranz kann aufgrund einer genetischen Veranlagung auftreten oder durch eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut.

    Ist die Laktoseintoleranz eine Allergie?

    Nein. Die Laktoseintoleranz ist keine Allergie. Sie ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit.

    Gibt es mögliche Folgen einer Laktoseintoleranz?

    Eine chronische bestehende Laktoseintoleranz kann unbehandelt zu einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms führen. Personen mit Laktoseintoleranz können ein erhöhtes Osteoporoserisiko entwickeln, wenn sie auf Milch und Milchprodukte verzichten und Ihre Calciumzufuhr nicht über andere Lebensmittel adäquat ausgleichen. 

    Ist Laktoseintoleranz heilbar?

    Das hängt von der Form der Laktoseintoleranz. Die primäre Form ist angeboren und bleibt ein Leben lang bestehen. Die sekundäre Form kann sich wieder verlieren oder sich zumindest wieder bessern.